Island

Island

Trekking Extrem Kalt und Heiß — geplant war der Laugavegur, geworden ist es Freestyle.

  • 116 kmStrecke
  • 5600 HmHöhenmeter
  • 10 TageDauer

Diese Tour machte ich zusammen mit Torsten und Michael. Der geplante Weg ist nur 54 Kilometer lang, ein paar Kilometer mehr kommen durch den Start an der Küste noch hinzu. Die Wanderung soll etwa 6 Tage in Anspruch nehmen, wir wollen daher noch an anderen Orten ein bisschen wandern.

Leider haben wir in unserer Planung einen Fehler gemacht und nicht beachtet, wie kalt es im Juni in Island ist. Und so kommt es, daß wir bereits an Tag 2 unserer Tour mit dem ersten Umplanen beschäftigt sind. Noch bevor wir einen ersten Kilometer auf dem eigentlichen Laugavegur unterwegs sind, steht eine neue Route fest, die durch tiefere Gebiete Islands führt. Wir wollen einfach nicht im teilweise noch brusthohen Schnee stecken bleiben.

01 14 km

Skógar nach Fimmvörðuháls

Wir starten in Frankfurt, wo Torsten und ich uns mit Michael treffen. Wir verteilen unser Gemeinschaftsgut (Zelt, Kocher, …) und verstauen unseren Proviant. So landen wir mit 3 Stunden Verspätung in Island. Dort kümmern wir uns zunächst um unser Zimmer in Reykjavik, machen uns dann auf die Suche nach Gas zum Kochen und schlendern anschliessend in die Stadt.

Am nächsten Tag plündern wir das spärliche Frühstücksbuffet. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Sterna Bus, der uns zum Ausgangspunkt unserer Tour bringen wird. Kurze Zeit später erreichen wir Skógar.

Am Fusse des Skógarfoss startet unsere Route. Nach dem ersten steilen Anstieg entlang des Skógarfoss folgen noch unzählige kleinere Wasserfälle. Durch den starken Wind ist der letzte Abschnitt äusserst mühsam, und wir erreichen vollkommen erschöpft die Hütte Fimmvörðuháls. Das Wetter hatte alles zu bieten — von Sonnenschein bis zum Schneeschauer war alles dabei.

02 11 km

Fimmvörðuháls nach Básar

Das Aussenthermometer der Hütte zeigt 25˚ an, wie gut, dass es direkt in der Sonne hängt. Der Tag startet mit Sonne. Nach dem Frühstück verschwinden unsere Mitbewohner. Wir bleiben noch und reinigen soweit möglich die Hütte. Dann brechen auch wir auf in Richtung Básar.

Es geht über weitere Schneefelder, aber zumeist bergab. Nach etwa einer Stunde erreichen wir ein Magmafeld des Eyjafjallajökull, der nur ein Jahr zuvor ausgebrochen war. Die Erde ist hier noch warm, es steigen Gase auf, die Luft riecht nach Schwefel. Wir passieren das Feld auf der gut gekennzeichneten Strecke.

Der letzte Teil des Abstiegs führt über kleine Grate hinein in das grösste zusammenhängende Waldgebiet Islands. Noch ein kurzes Stück und wir erreichen die Hütte in Básar. Der Hüttenwart empfiehlt uns aufgrund des anhaltend kalten Wetters unsere Route auf dem Laugavegur nicht weiter fortzusetzen. Nach langer Beratung folgen wir schweren Herzens diesem Rat und planen am Abend unsere Strecke neu.

03 7,5 km

Von Básar nach Þórsmörk — Langidalur

Wir haben eine Tagesetappe geplant, trotzdem starten wir spät. Zunächst soll es zur nur 1,5 km entfernten nächsten Unterkunft in Langidalur gehen, wo wir unser Gepäck ablegen wollen. Dazu müssen wir die Krossa über eine kleine Fussgängerbrücke queren. Wegen schlechter Beschilderung biegen wir jedoch direkt hinter der Brücke falsch ab und erklimmen einen Abhang.

An einer gut geeigneten Stelle steigen wir wieder den Hang hinauf und gelangen auf ein kleines Plateau, von dem aus wir die Aussicht über Húsadalur und den Fluss Kirkjuá geniessen. Wir steigen zur Hütte von Húsadalur hinab, wo wir eine kurze Rast halten. Insgesamt haben wir 7,5 km bei stark bewölktem, aber trockenem Wetter zurückgelegt.

04 19 km

Tagestour bei Þórsmörk — Langidalur

Für heute ist eine Tagestour geplant, einen Rundweg zum Krossarjökull. Der Weg führt zunächst entlang an der Krossar, wir verlieren jedoch immer wieder die Markierung aus den Augen. Daher entscheiden wir uns einen höher gelegenen Weg einzuschlagen. Bei der Trollkirka verlieren wir wieder den Weg, und erst nachdem wir das Ende des Plateaus erreicht haben, finden wir die Pflöcke wieder.

Im Tal der Krossa beschliessen wir den Rückweg anzutreten. Bald wird uns klar dass wir die Krossa furten müssen — Hosen aus, Watsandalen an, und insgesamt 7 mal durch die Krossa. Wir schaffen die knapp 19 km lange Strecke bei schönem sonnig-warmen Wetter.

05

Transfer nach Þingvellir

Wir starten mit dem Transfer nach Þingvellir um 12 Uhr. Die Gegend um Hvolsvöllur ist Schauplatz der Njál’s saga, daher besichtigen wir dort das Saga Centre. Zunächst geht es nach Skálholt — an dieser Stelle wurde bereits im 11. Jahrhundert eine Schule für Islands Klerus gegründet.

Dann fahren wir weiter zum Gullfoss, einen der grössten isländischen Wasserfälle. Nächster Halt ist Geysir, der Namensgeber aller Geysire. Wir halten noch in einem kleinen Restaurant an einem See — frischer Fisch und zum Dessert ein in heisser Erde gebackenes Brot mit Rhabarber. Nach unserer Ankunft am Info Centre von Þingvellir bauen wir unser Zelt bei starkem Wind auf dem nahegelegenen Campingplatz auf.

06

Von Þingvellir nach Þingvallavatn

Die Nacht im Zelt war aufgrund der Kälte sehr unangenehm — die Temperatur lag knapp unter 0˚C. Zum zweiten Mal beschliessen wir die Route zu ändern. Nach dem Frühstück brechen wir nach Þingvellir, dem Nationaldenkmal Islands, auf. Der Weg dorthin führt am Grabenbruch der Eurasischen und Amerikanischen Kontinentalplatte entlang — wir nutzen die Gelegenheit, uns gleichzeitig auf zwei Kontinenten zu befinden.

Þingvellir ist der Ort, an dem eines der ersten Parlamente der Weltgeschichte tagte. Wir starteten bei Sonnenschein, leider zogen dann aber Wolken auf — wir hatten Glück, dass alle Regenschauer rechts und links an uns vorbeizogen.

07 21 km

Von Þingvallavatn nach Nesjavellir

Nach einer deutlich angenehmeren Nacht in der Lodge starten wir gegen halb elf. Der Weg führt über eine lange Strecke an der Strasse auf einer Schotterpiste entlang. Hier gibt es viele Schafe, sowohl eingezäunt wie auch freilaufend.

Da wir nicht den ganzen Tag der Strasse entlang laufen wollen, biegen wir an der Elfenkirche ab. Der Weg führt uns durch Moos auf ein Hochplateau, das einer Mondlandschaft gleicht. Der Wind bläst uns immer wieder aufgewirbelte Asche in die Augen. Es geht noch einige Kilometer in der Höhe entlang, bis wir dann mit dem Abstieg zum Hotel in Nesjavellir beginnen. Trotz des Windes schaffen wir bei sonnigem Wetter 21 km.

08

Tagestour am Hengill

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel brechen wir um kurz nach 10 mit nur leichtem Gepäck zu einer Erkundungstour auf. In der ganzen Gegend sind Pumpstationen des Geothermiekraftwerkes aufgestellt — an jeder ist die geothermische Leistung angegeben, die teilweise bis zu 70 kW geht.

Wir steigen weiter in das Gebirge und kommen an einigen offenen, heissen Quellen vorbei. Diese bieten ein prächtiges Farbenspiel, aber es stinkt auch sehr nach Schwefel. Wir entdecken eine grosse heisse Quelle aus der kochendes Wasser sprudelt. Auch heute war es wieder sehr windig, aber trotzdem schön und etwas wärmer.

09

Von Nesjavellir nach Hveragerði

Über Nacht ist es auf den Bergen plötzlich weisser als gestern — es hat bis auf ca. 400 m hinunter geschneit. Nach dem ausgiebigen Frühstück machen wir uns gegen 10 Uhr auf den Weg nach Hveragerði.

Entlang eines warmen Baches führt uns der Weg auf eine moosbewachsene Ebene. Dort entdecken wir eine sehr grosse heisse Quelle. Im Tal folgen viele Menschen dem warmen Bach — wir machen es vor: Badehose an, und hinein in das etwa 37˚C warme Wasser. Da heute der letzte Tag der Tour ist, geniessen wir dieses ausgiebige Bad. Den Abend lassen wir mit Spaghetti und Lättöl ausklingen.

10

Reykjavik, Blaue Lagune und Wale

Nach den 116 km Strecke und mehr als 5600 Höhenmetern schauen wir uns auch den touristischen Teil Islands noch genauer an. Wir erkunden am ersten Tag Reykjavik. Am zweiten Tag fahren wir zur Blauen Lagune — ein See mit einem Gemisch aus Süss- und Salzwasser, in dem durch die Kieselalgen eine blaue Färbung entsteht.

Michael verlässt uns schon einen Tag früher, so dass Torsten und ich alleine von Reykjavik eine Bootstour auf einem ausgemusterten Walfänger buchen, um Wale zu schauen. Den Abend lassen wir mit einem sehr guten Abendessen ausklingen.